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B-Vitamine: Warum ohne diese 8 Mikronährstoffe fast nichts läuft

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B-Vitamine: Die 8 stillen Motoren unseres Körpers

Sie helfen uns, Energie aus Nahrung zu gewinnen, unterstützen Gehirn und Nervensystem und sind an Blutbildung und DNA-Synthese beteiligt. Doch B-Vitamin ist nicht gleich B-Vitamin – und mehr ist keineswegs automatisch besser.

Acht Vitamine, ohne die unser Stoffwechsel nicht funktionieren würde

Müdigkeit. Konzentrationsprobleme. Kribbeln in Händen oder Füßen. Blasse Haut. Leistungsabfall. Hinter solchen Beschwerden können unzählige Ursachen stecken. Manchmal liegt eine davon jedoch dort, wo kaum jemand zuerst sucht: bei einigen wenigen Molekülen, die unser Körper nur in winzigen Mengen benötigt.

Den B-Vitaminen sieht man ihre Bedeutung nicht an. Sie liefern keine Kalorien, bauen keine Muskeln auf und dienen nicht als Energiespeicher. Trotzdem würde ohne sie ein erheblicher Teil unseres Stoffwechsels zum Erliegen kommen.

Der Grund dafür liegt in ihrer Funktion. Viele B-Vitamine beziehungsweise ihre aktiven Derivate wirken als Coenzyme: kleine molekulare Helfer, die Enzyme benötigen, damit bestimmte chemische Reaktionen überhaupt oder mit ausreichender Geschwindigkeit stattfinden können. Sie sind damit an Prozessen beteiligt, die von der Energiegewinnung über den Aminosäurestoffwechsel bis zur Bildung von DNA und roten Blutkörperchen reichen. Die enge Verzahnung dieser Funktionen ist auch eine zentrale Botschaft unseres B-Vitamin-Ratgebers.

Wissenschaftlich sprechen wir dabei von acht Vitaminen: B1 (Thiamin), B2 (Riboflavin), B3 (Niacin), B5 (Pantothensäure), B6, B7 (Biotin), B9 (Folat) und B12 (Cobalamin). Dass sie als Gruppe zusammengefasst werden, ist durchaus sinnvoll. Zwar besitzt jedes seine eigenen Aufgaben, doch zahlreiche Stoffwechselwege funktionieren nur, weil mehrere B-Vitamine ineinandergreifen. Reviews beschreiben ihre Funktionen unter anderem in mitochondrialer Energiegewinnung, DNA-Synthese und neuronalen Prozessen.

Die acht B-Vitamine B1, B2, B3, B5, B6, B7, B9 und B12 mit ihren wichtigsten Funktionen

Grafik: Acht Vitamine, ein Netzwerk – die wichtigsten Aufgaben der B-Vitamine auf einen Blick.

Was B-Vitamine mit unserer Energie zu tun haben

Wenn wir von „Energie“ sprechen, denken wir meistens an Kalorien. Doch die Energie eines Stücks Brot oder einer Handvoll Nüsse nützt unseren Zellen zunächst wenig. Kohlenhydrate, Fette und Proteine müssen in zahlreichen Reaktionsschritten verarbeitet werden, bevor daraus die universelle Energiewährung unserer Zellen entstehen kann: ATP, Adenosintriphosphat.

Genau hier kommen mehrere B-Vitamine ins Spiel.

Vitamin B1 ist als Thiaminpyrophosphat unter anderem an zentralen Reaktionen des Kohlenhydratstoffwechsels beteiligt. Vitamin B2 bildet die Grundlage für FMN und FAD – Moleküle, die Elektronen in wichtigen Stoffwechselreaktionen übertragen. Aus Vitamin B3 entstehen NAD+ und NADP+, zwei der bedeutendsten Elektronenüberträger unseres Stoffwechsels. Vitamin B5 wiederum ist Bestandteil von Coenzym A und damit an der Verarbeitung von Kohlenhydraten, Fettsäuren und Aminosäuren beteiligt.

Man kann sich diese Vitamine deshalb weniger wie Benzin und eher wie Teile eines Motors vorstellen. Die Nahrung liefert den Brennstoff. B-Vitamine helfen der Maschinerie, diesen Brennstoff überhaupt nutzbar zu machen.

Das erklärt auch ein häufiges Missverständnis: B-Vitamine „geben“ einem gesunden Menschen nicht automatisch mehr Energie. Sie ermöglichen den normalen Energiestoffwechsel. Besteht tatsächlich ein Mangel, kann dieser mit Müdigkeit oder verminderter Leistungsfähigkeit einhergehen. Wer dagegen ausreichend versorgt ist, verwandelt eine zusätzliche Hochdosis nicht einfach in zusätzliche Energie. Die physiologische Rolle der B-Vitamine in Energiegewinnung sowie Gehirn- und Muskelfunktion ist gut beschrieben.

B-Vitamine als Coenzyme bei der Energiegewinnung in den Mitochondrien

Grafik: Nahrung liefert Energie – mehrere B-Vitamine helfen unseren Zellen dabei, sie über zentrale Stoffwechselwege nutzbar zu machen.

Warum unser Gehirn besonders empfindlich reagiert

Kaum ein Organ ist energetisch anspruchsvoller als das menschliche Gehirn. Obwohl es nur einen kleinen Teil unseres Körpergewichts ausmacht, benötigt es kontinuierlich Energie. Gleichzeitig müssen Nervenzellen elektrische Signale erzeugen, Botenstoffe herstellen und ihre Zellmembranen und Nervenfasern erhalten.

Auch hier begegnen uns B-Vitamine an mehreren Stellen gleichzeitig.

B1 ist für den Energiestoffwechsel von Nervenzellen bedeutsam. B6 wird als Cofaktor für zahlreiche enzymatische Reaktionen benötigt und spielt unter anderem bei der Bildung verschiedener Neurotransmitter eine Rolle. Folat und B12 wiederum sind eng mit dem Ein-Kohlenstoff-Stoffwechsel, der DNA-Synthese und der Regulation des Homocystein-Stoffwechsels verbunden. Die neurologischen Funktionen mehrerer B-Vitamine werden sowohl im Ratgeber als auch in wissenschaftlichen Reviews ausführlich beschrieben.

Besonders eindrucksvoll ist Vitamin B12. Ein ausgeprägter Mangel kann nicht nur zu einer megaloblastären Anämie führen, sondern auch neurologische Veränderungen verursachen. Das macht B12 zu einem guten Beispiel dafür, warum ein Vitaminmangel weit mehr sein kann als ein unspezifisches Gefühl von Müdigkeit.

Und es zeigt etwas noch Wichtigeres: Die B-Vitamine arbeiten nicht unabhängig voneinander. Unser Stoffwechsel ist ein Netzwerk.

Folat, B12 und Homocystein – wenn Vitamine im Team arbeiten

Wie eng B-Vitamine miteinander verbunden sind, zeigt kaum ein Stoffwechselweg besser als der Umgang unseres Körpers mit Homocystein. Diese schwefelhaltige Aminosäure entsteht ganz natürlich beim Abbau von Methionin. Damit Homocystein anschließend weiterverarbeitet werden kann, benötigt der Organismus unter anderem Folat, Vitamin B12 und Vitamin B6.

Fehlen diese Cofaktoren, kann die Homocysteinkonzentration im Blut ansteigen. Genau deshalb wurde Homocystein über Jahrzehnte intensiv als möglicher Risikomarker für Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Der Zusammenhang erschien zunächst überzeugend: Menschen mit höheren Homocysteinwerten entwickelten in Beobachtungsstudien häufiger kardiovaskuläre Erkrankungen.

Doch dann zeigte sich eine der wichtigsten Lektionen moderner Ernährungsmedizin: Einen Risikomarker zu verändern bedeutet nicht automatisch, das Krankheitsrisiko im gleichen Maße zu verändern.

Randomisierte Studien konnten zeigen, dass die Gabe von Folsäure sowie Vitamin B6 und B12 den Homocysteinspiegel tatsächlich senken kann. Daraus folgte jedoch nicht die zunächst erwartete deutliche Verringerung von Herzinfarkten und kardiovaskulären Todesfällen. Auch unser Ratgeber greift genau diese Diskrepanz auf.

Das macht Homocystein zu einem hervorragenden Beispiel dafür, warum Nährstoffforschung komplexer ist als das einfache Prinzip „mehr Vitamin = mehr Gesundheit“. B-Vitamine sind für diese Stoffwechselwege unverzichtbar. Eine ausreichende Versorgung ist wichtig. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass hohe zusätzliche Mengen bei bereits ausreichend versorgten Menschen einen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen bringen.

Zusammenspiel von Vitamin B6, Folat und Vitamin B12 im Homocystein-Stoffwechsel

Grafik: B6, Folat und B12 greifen im Homocystein-Stoffwechsel ineinander – ein anschauliches Beispiel dafür, dass B-Vitamine als Netzwerk funktionieren.

Folat und B12: Entscheidend für Blut und neue Zellen

Besonders eng arbeiten Folat und Vitamin B12 dort zusammen, wo neue Zellen entstehen. Beide sind für Prozesse erforderlich, die mit DNA-Synthese und Zellteilung verbunden sind. Das wird besonders sichtbar im Knochenmark, wo unser Körper fortlaufend enorme Mengen neuer Blutzellen produziert.

Ein ausgeprägter Folat- oder B12-Mangel kann deshalb zu einer megaloblastären Anämie führen. Dabei entstehen ungewöhnlich große, unreife Vorläuferzellen, weil die Zellteilung gestört ist. Müdigkeit, Schwäche, Blässe und eingeschränkte Leistungsfähigkeit können die Folge sein.

Bei Vitamin B12 kommt eine Besonderheit hinzu: Ein Mangel kann neurologische Schäden verursachen. Das ist medizinisch relevant, weil hohe Folatmengen die Blutbildveränderungen eines B12-Mangels teilweise korrigieren können, während neurologische Probleme fortbestehen können. Folat und B12 sollten deshalb gerade bei Verdacht auf einen Mangel nicht völlig isoliert betrachtet werden.

Eine besondere Bedeutung besitzt Folat während der Schwangerschaft. Bereits sehr früh in der Embryonalentwicklung entsteht das Neuralrohr, aus dem später Gehirn und Rückenmark hervorgehen. Eine ausreichende Folatversorgung rund um die Empfängnis senkt nachweislich das Risiko für Neuralrohrdefekte. Die historische MRC Vitamin Study von 1991 gehört zu den entscheidenden Arbeiten auf diesem Gebiet und wird auch in unserem Ratgeber hervorgehoben.

Das ist ein wichtiger Unterschied zu vielen vermeintlichen Wirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln: Der Nutzen einer ausreichenden Folatversorgung zur Prävention von Neuralrohrdefekten ist nicht bloß eine biochemische Theorie, sondern durch klinische Evidenz gut abgesichert.

Wer sollte besonders auf seine B-Vitamin-Versorgung achten?

Eine abwechslungsreiche Ernährung kann viele B-Vitamine zuverlässig liefern. Sie finden sich je nach Vitamin unter anderem in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Gemüse, Kartoffeln, Eiern, Milchprodukten, Fisch und Fleisch. Trotzdem gibt es Lebenssituationen, in denen einzelne B-Vitamine besondere Aufmerksamkeit verdienen.

Das bekannteste Beispiel ist Vitamin B12 bei veganer Ernährung. Relevante natürliche Mengen kommen praktisch ausschließlich in Lebensmitteln tierischen Ursprungs vor. Wer dauerhaft vegan lebt, benötigt deshalb eine zuverlässige B12-Quelle über angereicherte Lebensmittel oder Supplemente.

Auch im höheren Lebensalter kann B12 problematisch werden – selbst dann, wenn genug davon gegessen wird. Die Aufnahme ist vergleichsweise kompliziert und unter anderem von Magensäure sowie dem sogenannten Intrinsic Factor abhängig. Bestimmte Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts können diese Aufnahme beeinträchtigen. Der Ratgeber beschreibt diese Besonderheiten der B12-Resorption ebenfalls ausführlich.

Schwangere beziehungsweise Frauen mit Kinderwunsch bilden aufgrund des erhöhten Folatbedarfs eine weitere wichtige Gruppe. Darüber hinaus können bestimmte Medikamente, chronische Erkrankungen, Alkoholabhängigkeit oder Malabsorptionssyndrome die Versorgung mit einzelnen B-Vitaminen beeinflussen.

Entscheidend ist dabei die Differenzierung: Nicht jeder Mensch benötigt automatisch einen B-Komplex. Entscheidend sind Ernährung, Lebensphase, mögliche Risikofaktoren und – wenn medizinisch angezeigt – Laborwerte.

Natürlich oder synthetisch – macht die Form einen Unterschied?

Kaum ein Thema wird bei Nahrungsergänzungsmitteln stärker vereinfacht. Auf der einen Seite steht die Behauptung, synthetische Vitamine seien grundsätzlich minderwertig. Auf der anderen Seite findet sich die Vorstellung, dass jede chemische Form eines Vitamins im Körper exakt gleich behandelt werde. Beides ist zu pauschal.

Ein besonders interessantes Beispiel ist Vitamin B9. In natürlichen Lebensmitteln finden wir verschiedene Folate. Die klassische Folsäure ist dagegen eine oxidierte Form, die insbesondere in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln eingesetzt wird. Bevor sie in zentrale Folatstoffwechselwege eingehen kann, muss sie im Organismus metabolisiert werden.

Daneben existieren Supplemente mit 5-Methyltetrahydrofolat (5-MTHF), einer biologisch relevanten Folatform. Unterschiede zwischen Folsäure und 5-MTHF sowie deren Metabolisierung werden auch im zugrunde liegenden Ratgeber ausführlich behandelt.

Daraus lässt sich jedoch nicht die pauschale Regel ableiten, dass „natürlich“ immer besser und „synthetisch“ immer schlechter sei. Entscheidend sind das jeweilige Vitamin, seine chemische Form, Bioverfügbarkeit, Dosierung und der individuelle Bedarf. Gerade bei Folat ist zudem wichtig, nicht aus der Diskussion verschiedener Formen den falschen Schluss zu ziehen, auf eine empfohlene Supplementierung rund um die Schwangerschaft zu verzichten.

Vergleich von natürlichem Folat, Folsäure und 5-MTHF

Grafik: „Vitamin B9“ bezeichnet nicht nur eine einzige Verbindung. Natürlich vorkommende Folate, Folsäure und 5-MTHF unterscheiden sich chemisch und teilweise auch in ihrer Verarbeitung im Körper.

Mehr ist nicht automatisch besser

Weil B-Vitamine wasserlöslich sind, hält sich hartnäckig die Vorstellung, ein Überschuss sei grundsätzlich harmlos und werde einfach mit dem Urin ausgeschieden. Auch das ist zu einfach.

Ein wichtiges Beispiel ist Vitamin B6. Eine langfristig zu hohe Zufuhr aus Nahrungsergänzungsmitteln kann selbst neurologische Beschwerden und periphere Neuropathien verursachen – ausgerechnet Symptome also, die man normalerweise mit einem Vitaminmangel verbinden würde.

Bei Niacin können hohe pharmakologische Dosierungen unter anderem Hautrötungen und weitere unerwünschte Wirkungen verursachen. Und Biotin besitzt eine ganz andere Besonderheit: Hohe Supplementdosen können bestimmte labormedizinische Untersuchungen verfälschen. Der Ratgeber weist beispielsweise auf mögliche Interferenzen bei hormonellen und anderen biotinbasierten Labortests hin.

Die vernünftigste Strategie lautet deshalb weder „so wenig wie möglich“ noch „so viel wie möglich“. Sie lautet: so viel wie notwendig.

Fazit: Acht Vitamine – ein biologisches Netzwerk

B-Vitamine sind keine Energydrinks in Molekülform. Sie sind etwas viel Interessanteres: unverzichtbare Bestandteile einer biochemischen Maschinerie, die rund um die Uhr in jeder unserer Zellen arbeitet.

Sie helfen dabei, Energie aus Nahrung nutzbar zu machen, unterstützen Gehirn und Nervensystem, sind an der Bildung von Blut und DNA beteiligt und verbinden zahlreiche Stoffwechselwege miteinander. Gerade deshalb ist der Begriff „Vitamin-B-Komplex“ biologisch durchaus passend: Die acht Vitamine besitzen unterschiedliche Aufgaben, funktionieren aber an vielen Stellen nur im Zusammenspiel.

Die wissenschaftliche Botschaft ist dabei überraschend unspektakulär – und gerade deshalb wichtig. Eine ausreichende Versorgung ist essenziell. Eine höhere Dosis ist dagegen nicht automatisch besser. Für die meisten Menschen bildet eine abwechslungsreiche Ernährung die Grundlage. In bestimmten Lebenssituationen – besonders bei Vitamin B12 in veganer Ernährung oder Folat rund um eine Schwangerschaft – kann eine gezielte Supplementierung dagegen entscheidend sein.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Faszination der B-Vitamine: Unser Körper benötigt von ihnen teilweise nur winzige Mengen. Doch fehlen diese wenigen Moleküle an der richtigen Stelle, können ganze Stoffwechselwege ins Stocken geraten.

Was sagt die Forschung? Die wichtigsten Studien

Bei kaum einer Nährstoffgruppe ist es so wichtig, zwischen einer notwendigen Versorgung und einem möglichen Zusatznutzen hoher Dosierungen zu unterscheiden. Dass B-Vitamine für den menschlichen Stoffwechsel essenziell sind, steht außer Frage. Spannender ist die Frage, wann eine zusätzliche Zufuhr tatsächlich einen nachweisbaren gesundheitlichen Vorteil bringt.

Einige Bereiche sind wissenschaftlich außergewöhnlich gut abgesichert. Andere zeigen eindrucksvoll, warum ein plausibler biochemischer Mechanismus allein noch keine klinische Wirkung beweist.

Folat und Neuralrohrdefekte: eine der großen Erfolgsgeschichten der Prävention

Zu den überzeugendsten Beispielen gehört Folat rund um Schwangerschaft und Empfängnis. Bereits 1991 zeigte die große randomisierte MRC Vitamin Study, dass eine Folsäuresupplementierung bei Frauen mit bereits vorausgegangener Schwangerschaft mit Neuralrohrdefekt das Wiederholungsrisiko deutlich reduzieren konnte. Diese und weitere Untersuchungen veränderten später die Empfehlungen zur Folatversorgung von Frauen mit Kinderwunsch grundlegend. Auch unser B-Vitamin-Ratgeber hebt diese Studie als historischen Meilenstein hervor.

Schlüsselstudie:
MRC Vitamin Study Research Group (1991): Prevention of neural tube defects: results of the Medical Research Council Vitamin Study. The Lancet.

B-Vitamine und Homocystein: eine wichtige wissenschaftliche Lektion

Ganz anders entwickelte sich die Forschung zu Homocystein. Beobachtungsstudien hatten erhöhte Werte mit einem höheren kardiovaskulären Risiko in Verbindung gebracht. Da Folat, B6 und B12 am Homocystein-Stoffwechsel beteiligt sind, entstand eine scheinbar logische Hypothese: Wenn B-Vitamine Homocystein senken, müssten sie auch Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern.

Randomisierte Interventionsstudien bestätigten den ersten Teil – die Homocysteinwerte ließen sich senken. Der erwartete deutliche Schutz vor kardiovaskulären Ereignissen ließ sich jedoch nicht entsprechend nachweisen. Große Studien wie HOPE-2 von Lonn et al. (2006) sowie spätere systematische Auswertungen machten deutlich, dass ein verbesserter Biomarker nicht automatisch einen vergleichbaren klinischen Nutzen bedeutet. Genau auf diese Diskrepanz weist auch der zugrunde liegende Ratgeber hin.

Schlüsselstudie:
Lonn E, Yusuf S, Arnold MJ et al. (2006): Homocysteine Lowering with Folic Acid and B Vitamins in Vascular Disease. New England Journal of Medicine.

Vitamin B12: Entscheidend ist nicht nur, was wir essen

Vitamin B12 besitzt eine Sonderstellung. Seine Aufnahme ist komplizierter als bei vielen anderen Vitaminen. B12 aus Lebensmitteln muss zunächst freigesetzt werden und bindet später an den im Magen gebildeten Intrinsic Factor, bevor es im Dünndarm effizient aufgenommen werden kann. Erkrankungen des Magens oder Darms und ein fehlender Intrinsic Factor können diesen Prozess beeinträchtigen. Deshalb kann ein B12-Mangel auch bei Menschen auftreten, deren Ernährung grundsätzlich B12 enthält. Diese Besonderheiten der Resorption werden im Ratgeber ausführlich beschrieben.

Besonders relevant ist B12 außerdem bei veganer Ernährung. Da nicht angereicherte pflanzliche Lebensmittel keine verlässliche Quelle für biologisch relevantes Vitamin B12 darstellen, gehört eine zuverlässige Versorgung über Supplemente oder entsprechend angereicherte Lebensmittel zu den Punkten, die bei einer langfristig veganen Ernährung bewusst geplant werden müssen.

Und wo passt Buchweizen hinein?

Eine ausgewogene Versorgung mit B-Vitaminen entsteht nicht durch ein einzelnes „Superfood“. Gerade weil die einzelnen Vertreter des B-Komplexes in unterschiedlichen Lebensmitteln vorkommen, ist Vielfalt entscheidend. Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen, Gemüse sowie – abhängig von der Ernährungsform – Eier, Milchprodukte, Fisch und Fleisch können unterschiedliche Beiträge leisten.

Ein interessantes pflanzliches Lebensmittel ist dabei Buchweizen. Obwohl der Name anderes vermuten lässt, handelt es sich botanisch nicht um Getreide, sondern um ein Pseudogetreide. Der Ratgeber hebt Buchweizen nicht nur wegen verschiedener B-Vitamine hervor, sondern beschreibt ihn als komplexe Lebensmittelmatrix, die außerdem unter anderem Rutin, Mineralstoffe und weitere Pflanzeninhaltsstoffe liefert.

Genau dieser Gedanke ist ernährungsphysiologisch interessant: In Lebensmitteln treten Vitamine nicht isoliert auf. Sie sind Teil einer Matrix aus Proteinen, Kohlenhydraten, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Trotzdem sollte daraus keine pauschale Überlegenheit natürlicher Quellen gegenüber Supplementen abgeleitet werden. Bei einem diagnostizierten Mangel oder in Lebenssituationen mit besonderem Bedarf kann eine gezielte Supplementierung die wesentlich zuverlässigere Strategie sein.

Buchweizen als pflanzliches Lebensmittel mit B-Vitaminen, Mineralstoffen und weiteren Pflanzeninhaltsstoffen

Bild: Buchweizen ist ein Pseudogetreide und liefert neben verschiedenen Mikronährstoffen auch sekundäre Pflanzenstoffe wie Rutin.

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis über B-Vitamine

Die Geschichte der B-Vitamine erzählt etwas Grundsätzliches über Ernährung. Unser Körper funktioniert nicht nach dem Prinzip, dass ein einzelner Stoff möglichst hoch dosiert werden muss. Er funktioniert als Netzwerk.

B1, B2, B3 und B5 helfen an unterschiedlichen Stellen des Energiestoffwechsels. B6 ist an zahlreichen Reaktionen des Aminosäurestoffwechsels beteiligt. Folat und B12 greifen bei Zellteilung und Ein-Kohlenstoff-Stoffwechsel ineinander. B6, Folat und B12 treffen sich wiederum im Homocystein-Stoffwechsel. Fehlt ein entscheidendes Glied, kann das Auswirkungen auf das gesamte System haben.

Das erklärt zugleich, warum die acht B-Vitamine trotz ihrer unterschiedlichen chemischen Strukturen bis heute als Familie wahrgenommen werden: Nicht weil sie alle dasselbe tun, sondern weil ihre Aufgaben immer wieder miteinander verbunden sind.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft. Die Frage sollte nicht lauten: „Welches B-Vitamin brauche ich am meisten?“ Sondern vielmehr: Ist mein Körper mit allen notwendigen Bausteinen ausreichend versorgt?

Ausgewählte wissenschaftliche Quellen

  • MRC Vitamin Study Research Group (1991). Prevention of neural tube defects: results of the Medical Research Council Vitamin Study. The Lancet.
  • Lonn E, Yusuf S, Arnold MJ et al. (2006). Homocysteine Lowering with Folic Acid and B Vitamins in Vascular Disease. New England Journal of Medicine.
  • Kennedy DO (2016). B Vitamins and the Brain: Mechanisms, Dose and Efficacy – A Review. Nutrients.
  • Depeint F, Bruce WR, Shangari N, Mehta R, O'Brien PJ (2006). Mitochondrial function and toxicity: role of the B vitamin family on mitochondrial energy metabolism. Chemico-Biological Interactions.

Hinweis: Der Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Diagnose oder Behandlung. Bei Verdacht auf einen Vitaminmangel, neurologischen Beschwerden, Schwangerschaft oder bestehenden Erkrankungen sollte die individuelle Versorgung medizinisch abgeklärt werden.

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